Gisela Wrede
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Im offenen Malprozeß führt Gisela Wrede ihre persönliche Erfahrungswelt ans Licht. Wer Befindlichkeitsberichte oder malerische Inszenierungen erwartet, wird enttäuscht.
Ihre Bilder kommen von Bildern, zugleich sind sie Zeugnisse ihrer Nachdenklichkeit, ihrer Sensibilität und Diskretion. Die Skepsis gegenüber der Darstellbarkeit der sichtbaren und unsichtbaren Erlebniswelt führt zu Malvorgängen, in denen Annäherung und Verwerfung gleichrangig sind. Ihr 'Denken mit dem Pinsel' (Balzac) ertastet Erscheinungen, Schwingungen, Atmosphären, ohne sie malerisch zu materialisieren oder gar 'abzubilden'.
So entstehen ausdrucksstarke Bilder, die mehr Fragen stellen als sie beantworten. Schon aus ihrer Nähe zur arte povera und zum Informel ergibt sich ihre Ferne zu 'Kunstfertigkeit' und manieriertem Virtuosentum. Ihre Bilder sind individuelle und authentische Protokolle von immer neuen Versuchsanordnungen, der Wahrheit zuliebe die einfachen 'Welterklärungen' zu meiden.
Prof. Udo Scheel
